Social CRM oder wenn der Blick für das Wesentliche verloren geht
Saturday, November 26th, 20112009 / 2010 war die große Zeit von Social CRM auf den Social Media Konferenzen. Landauf, Landab, wurden die Cases, zumeist Telekom_hilft und Best Buy präsentiert. Zu diesem Zeitpunkt war Social Media bereits fest in den Köpfen der Marketingverantwortlichen verankert, ne Facebook Page hatte jedes Unternehmen, ne fancy App (selbstredend!) auch und nun? Anstatt Schritt für Schritt an den Herausforderungen, die das Social Web dem Unternehmen stellt, zu wachsen, musste was Neues her, was gut für PR ist, was gut für die eigene Stellung ist und natürlich sollte es sich gut an bzw. im Unternehmen verkaufen lassen. Social Commerce war noch ein Schritt zu weit weg, außerdem was tun, wenn nichts verkauft wird? Ne, also dann doch lieber so was mit Customer Service und Social Media machen. Und zack war Social CRM geboren: Social Media Touchpoints besetzen und Customer Service anbieten.
Social Media Touchpoint besetzt und jetzt?
Jetzt erst einmal von Konferenz zu Konferenz ziehen und von den Vorteilen berichten. Mittlerweile wissen alle um die Existenz von helfenden Twitter Kanälen. Schritt für Schritt ziehen die großen Unternehmen nach. Zuletzt ist die Deutsche Bahn an den Start gegangen und ehrlich gesagt, haben alle Agenturen und Berater gute Arbeit geleistet. Die CRM Mitarbeiten sind gut geschult, der Ablauf scheint klar definiert und die Tools funktionieren. Aber irgendwie habe ich wirklich Mitleid mit den Community Managern / CRMlern, wenn zum 1.000 Mal eine Rechtfertigung für die einstündige Verspätung für die Strecke Köln-Bonn gefunden werden muss, wenn mal wieder der falsche Tarif abgebucht oder wenn sich mal wieder ein Lapsus in die Logistik eingeschlichen hat …
SCRM: Nur Augenwischerei, nur Bling Bling?
Mal noch kurz zu den Zielen und zu dem was Social CRM überhaupt darstellen soll. Social CRM ist die logische Verbindung von Social Data und Customer Service. Neue Plattformen werden geschaffen und alte Tools um neue Features ergänzt (Monitoring, etc.) mit dem Ziel “One Voice to the Customer” zu richten. Wenn das alles gut funktionieren, kann es passieren, dass Kunden zufriedener als vorher sind, Innovationsanstöße liefern und, und, und … Problematisch wird es aber, wenn sich Unternehmen darauf fokussieren neu innovative Services an den Kunden zu bringen, dabei aber teils starren, veralteten oder unzuverlässigen Strukturen (Logistik, etc.) vergessen einen neuen Anstrich zu geben.
Kurz gesagt: das ganze Social Media SchiSchi bringt alles nichts, wenn die Leistung des Unternehmen dermaßen desolat ist, dass sich der Customer Service nur mit Entschuldigungen retten kann. Der Effekt, dass Kunden vom Kritiker zum Brand Advocate gewandelt werden kann, wird bestimmt nicht damit erzielt, dass ein Twitter Kanal eröffnet wird und die Leistung gleichbleibend mies ist …
Betrachten wir mal aus eigener Erfahrung o2: o2 gibt sich fortschrittlich, hat auch einen Twitter Service Kanal und macht laut eigenen Aussagen Rekordumsätze mit Smartphones. Ist davon aber so überrascht, dass vergessen wurde das Netz den Anforderungen genügend auszubauen. Genauer betrachtet, bedeutet das eigentlich, dass eine Leistung verkauft wurde, welche das Unternehmen überhaupt nicht erbringen konnte und ganz beiläufig wusste das Unternehmen das auch. Aber hej da haben schon anderen drauf hingewiesen.
Trotzdem habe ich meinen Vertrag via Telefon Hotline verlängert, natürlich gab es Probleme und natürlich habe ich mich zuerst via Telefon, dann über Twitter beschwert. Nach der Reaktion auf meine Twitter Beschwerde kam es mir so vor als ob die beiden CRM Abteilungen überhaupt nicht zusammenarbeiten würden, geschweige denn das selbe CRM Tool nutzen würden. Dabei muss es doch Ziel von diesem ganzen Theater sein, Daten über alle Plattformen zu sammeln, um bestmöglich mit dem Konsumenten zu kommunizieren, damit dieser dann auch begeistert ist von mir. Aber in diesem Fall, war weder die Performance der Logistik, also Auftragshandling, noch der Customer Service zufriedenstellend.
Unternehmen sollten erst einmal die Qualität des bestehenden Services optimieren, anstatt durch Quantität den Service zu verschlechtern. Was übrig bleibt: Viel Bling Bling und noch viel Arbeit für die Unternehmen, wie sie auch alle heißen mögen …

