Von teurem und günstigem Product Placement
Sunday, October 17th, 2010Als ich noch kleiner und dementsprechend auch jünger war, und Pierce Brosnan als neuer James Bond verpflichtet wurde, stand nicht nur das von seiner ultra-haarigen Brust umspielte Goldkettchen im Vordergrund, sondern auch sein neues Dienstgefährt: der BMW Z3 Roadster. Zwar war das sicherlich nicht der erste Fall von Poduct Placements in reichweitenstarken Filmen, doch das erste Mal an welches in ich mich erinnern kann. Mit den Jahren und den damit einhergehenden raketenwerfenden und feuerspeihenden Auto-, Uhren-, Füller- und etc- Placements, nahm meine Aufregung über die neuste Marketing Maßnahmen allmählich ab. Denn nun wusste jeder, dass diese Placements gekauft wurden. Wahrscheinlich kommen heutzutage Filme nur noch zustande, wenn 1/3 des Budgets über Placements gedeckelt werden kann, naja who knows?!
Jedenfalls erregte die Agentur Anomaly im Jahre 2007 mit einer so wahnsinnig schlauen Idee meine Aufmerksamkeit, dass sich diese Aktion bis heute fest in meinem Best Practice Advertisign Gedächtnis eingebrannt hat.
Zur Aktion: Es begab sich in dieser Pre-iPhone-Zeit. (kaum vorstellbar, dass das erst drei Jahre her ist…) Jeder wollte eines dieser neuartigen Dinger, und dementsprechend groß war das Medieninteresse an diesem schönen Tag im Juni. Vor dem Apple Store in Soho (NY) waren gefühlt mehr Journalisten als iPhone-Käufer und warteten gespannt auf den Verkaufsstart des iPhones. Als erster in der Reihe stand der Regisseur Spike Lee und trug ein “Keep a child alive“-Shirt. Auf den ersten Blick nichts Besonderes, schon richtig, auf den zweiten Blick vielleicht “Oh, ist das nicht Spike Lee?” und auf den dritten Blick “Spike Lee trägt heute gar nicht Nike, sondern, was steht, da Keep a chil alive?”… Das habe nicht nur ich gedacht, sondern ziemlich die ganze Welt, welche sich für das iPhone interessierte. Begeistert mich noch bis heute, da genial gemacht und für eine gute Sache.
Nun in den letzten Tage freute sich die ganze Welt über die Rettung der Bergleute in Chile. Über zwei Monate verbrachten die Bergleute in fast vollkommener Dunkelheit, so dass das Tageslicht zu ersthaften Augenschäden hätte führen können. Zum Glück fiel Oakley als bald diese ernsthafte Bedrohung der Bergleute auf und schickte für jeden einzelnen Kumpel eine $340 teure Oakley Sonnenbrille nach Chile. Total nett finde ich das und noch doller fand ich, dass so ziemlich jede News Seite, Zeitschift und TV Station glücklich strahlende Bergleute zeigte, welche wegen dem grellen Sonnenlicht eine Oakley Sonnenbrille trugen. Wohl eines der effizientesten und dabei noch so verdammt effektivsten Product Placements bisher. Gratulation an die Verantwortlichen!
Wobei bei mir trotz Euphorie über diese Aktion ein gewisser schaler Beigeschmack zurückbleibt. Denn die “Keep a child alive”Aktion profitierte von dem medialen Hype um ein neues technologisches Gadget. Hingegen schlägt die Sonnenbrillen-Versorgungsaktion in eine ganz andere Kerbe. Dieses mediale Interesse entstand auf den Schicksalen der verschütteten Kumpels. Meines Erachtens ging dabei die Nächstenliebe und der Profit Hand in Hand einher. Was überwiegte werden wir wohl nie erfahren…

